TEA 20... Die Restauration
Teil I: Der Rumpf
Die vollständige optische Restauration wurde nach dem Ende der Oldtimersaison 2006 in Angriff genommen. Da ab diesem Zeitpunkt bis zur nächsten Saison die Tieflader nicht mehr zu Fahrten zu Oldtimertreffen eingesetzt werden, entschied ich mich, den Ferguson TEA zum Restaurieren auf einen der Tieflader zu fahren und dort auf dem Anhänger aufzubocken. Das sollte den Vorteil haben, daß ich den Schlepperrumpf später zu Reinigungs- und Lackierzwecken problemlos hin- und hertransportieren kann.
Die
Zerlegung verlief recht zügig und problemlos. Sämtliche Schrauben und Muttern
zeigten sich kooperativ und ließen sich lösen. Ein großes Glück, da
englische Traktoren ausschließlich durch zöllige Schrauben und Muttern
zusammengehalten werden- ein Graus für jeden Restaurator, da keine Schraube
oder Mutter verloren werden darf. Jedes einzelne Teil wurde bei der Demontage
sorgsam begutachtet und für die individuelle Aufarbeitung bereitgelegt. Die
Menge der Teile, aus denen der "kleine graue Ferguson" besteht, ist
recht überschaubar. Kein Teil ist an diesem Traktor zuviel oder Zierde, alles
hat seine Funktion.
Das
merkt man schnell bei der Zerlegung: Haube, Kühler, Tank und Schutzbleche sind
schnell abgebaut- und schon steht der Ferguson nackt da und wirkt fast schon
zierlich. Auf dem nebenstehenden
Bild habe ich bereits auch Sitz, Luftfilter, Anlasser sowie das
Hydraulikgestänge demontiert. Scheinbar wurde der Ferguson vor langer Zeit mal
mit einer weißen Farbe übergetüncht. Unter dieser stümperhaft aufgetragenen
Farbschicht fanden sich noch viele Reste des grauen Originallackes- aber noch
mehr Rost. Es gab also mehr als genug zu tun für Flex, Topfbürste,
Schmirgelpapier und Drahtbürste.
Fest
mittels eigens angefertigten Böcken auf dem Tieflader verschraubt, konnte der
Entrostungsmarathon am Schlepperrumpf beginnen. Bis auf das blanke Metall
sollten Rost und alte Farbschichten heruntergekratzt und geschliffen werden,
damit der Rost später keine Chance hat und die neue Lackierung ein glänzendes
Finish erhält. Ganze drei Tage brauchte es, bis der Rumpf zum Lackieren
vorbereitet war. Ein abgebrochener, gußeiserner Halter an der Rückseite des
Getriebes verzögerte die jedoch diese Vorbereitung.
Mit einfachem Aufschweißen war es hier nicht getan, da auf diesen Halter bei Zugarbeiten hohe Kräfte einwirken. Wie hoch diese Kräfte sein können, hat einer der Vorbesitzer scheinbar austesten wollen. Mit fatalem Erfolg...
Für einen späteren Einsatz der Anhängekupplung musste dieser Halter also wieder vollkommen stabil ersetzt werden. Schweißen kam nicht in Frage, da man ein normales Stahlteil nicht ohne weiteres an ein gußeisernes Gehäuse schweißen kann- erst recht nicht, wenn später auch noch Anforderungen an Festigkeit an die Schweißnaht gestellt werden. Nach einiger Grübelei fand sich die einzig vertretbare Ausführung der Reparatur, um die erforderliche Festigkeit zu erreichen: Nachfertigung des fehlenden, ausgebrochenen Gußstückes und Verschraubung mit dem Getriebegehäuse. Die Bruchflächen wurden plangefeilt und exakt dazu passend ein Stahlstück angefertigt. Löcher wurden gebohrt und Gewinde geschnitten. Speziell gedrehte Inbusschrauben sorgen von nun an für den nötigen Halt. Die Bohrlöcher auf der Oberseite wurden mit handelsüblichem 2K-Kaltmetall verschlossen, sodaß nun auch bei genauer Betrachtung kein Unterschied zum Original zu erkennen ist.
Endlich
war es soweit: die Farbe und der
Rost war nach endloser Kratzerei und Schleiferei besiegt, das weggebrochene
Gußstück ersetzt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß (auf
nebenstehendem Bild gut erkennbar) Schalt- und Lenkgetriebe sowie die Ölwanne
und das Steuerkettengehäuse aus Aluminium gefertigt sind, was im Traktorenbau
recht ungewöhnlich ist.
Wenn ersteinmal die "Drecksarbeit" erledigt ist und die ersten Teile lackiert sind (und sei es nur in Rostschutzgrundierung), macht die Restaurierung wieder richtig Spaß. Man kann die Fortschritte nun endlich sehen! Diese vollkommen handelsübliche Rostschutzgrundierung ist mit normaler Lackierpistole leicht aufzutragen und trocknet binnen kürzester Zeit.
Grundlage für den Erfolg jeglicher Lackierarbeiten ist allerdings die vorherige gründliche Reinigung und Entfettung. Zur Sicherheit ließ ich dem Ferguson ein paar Tage Zeit zur vollständigen Trocknung, bevor aus dem "kleinen roten Ferguson" wieder ein "kleiner grauer Ferguson" werden sollte. Der originale Farbton, in dem früher die Ferguson TEs lackiert wurden, ist seit kurzer Zeit wieder bei jedem Massey-Ferguson-Händler als Kunstharzlack erhältlich.
Auch dieser Lack ließ sich gut verarbeiten, benötigte allerdings für die Trocknung erheblich mehr Zeit. Das sollte mich nicht stören, warteten doch noch haufenweise Kleinteile auf ihre Aufarbeitung. In der Zwischenzeit sorgte das traumhafte Märzwetter des Jahres 2006 für die Trocknung des frischen Fergusonlackes.