TEA 20... Die Restauration
Teil II: Die Einzelteile
"Kleinvieh macht auch Mist!" Oder in diesem Fall: "Kleinteile machen auch Arbeit!" Und wie. Jedes noch so kleine Teil bedurfte einer Überholung. Vom relativ einfachen aber dennoch sehr zeitaufwendigen Entfernen alter Farbe und Rost, über leichte Richtarbeiten bis hin zum Nachbau vollkommen hoffnungslos defekter Teil: von allem war etwas dabei.
Angefangen bei den Felgen der Vorder- und Hinterräder: Sie waren im gesamten
gesehen in noch guter Verfassung, lediglich die Innenseiten der Felgenschultern
waren vom Dreck und Wasser der vergangenen Jahrzehnte leicht rostnarbig. Eine
eingehende Behandlung der Felgen mit Flex und Topfbürste entfernte auch die
letzten Rostpickel. Schmirgelpapier in unterschiedlichen Körnungen sorgte
anschließend für das glatte Finish.
Auch
hier wurde vor dem Lackieren gründlichst entfettet, um später keine bösen
Überraschungen zu erleben. Auf die vorderen Felgen hatte ich schon im Vorfeld
neue Reifen (4.00-19) aufziehen lassen, da die alten nicht mehr verkehrstauglich
waren. Der gute Zustand des Felgenbettes war der Grund, warum die Reifen bei der
Restaurierung nicht mehr abgezogen wurden. Die
hinteren Reifen hatten zwar noch mehr als ausreichend Profil, allerdings waren
sie aufgrund ihres Alters so sehr rissig, daß ich auch hier um eine
Neuanschaffung nicht herumkam. Anders als bei den Vorderreifen ist die Größe
der Hinterreifen nichts Ungewöhnliches. 10-28 war seinerzeit auch bei den
deutschen Schlepperherstellern eine beliebte Reifengröße für Traktoren von 15
bis 35 PS.
Das Bild links zeigt die Radschüsseln vor der Lackierung sowie den Benzintank. Zum Glück war er vollkommen dicht. Tanks von Dieselschleppern lassen sich recht leicht bearbeiten, da dort die Explosionsgefahr weitaus geringer ist als bei Benzintanks. Bevor ich den Tank von außen mit Flex und Schleifscheibe bearbeiten konnte, spülte ich den Tank von innen gründlich mit Wasser aus.
Die gleiche "Kur" musste auch der Kühler über sich ergehen lassen.
Auch er war glücklicherweise dicht und sein Netz noch unbeschädigt. Zunächst
bearbeitete ich ihn äußerlich mit dem Hochdruckreiniger, um dann auch hier in
stundenlanger Arbeit mit Schaber, Schraubenzieher, Drahtbürste und
Schmirgelpapier die alte Farbe zu entfernen. Schlußendlich erhielt der Kühler
eine Zweifarblackierung: Kühlernetz schwarz, Rest Ferguson-grau.
Die
typischen Muschelkotflügel, mit denen fast sämtliche Schlepper in England,
Skandinavien, Frankreich und den USA bis in die 1960er Jahre ausgestattet waren,
befanden sich bei meinem TEA in brauchbarem Zustand. Lediglich der rechte
Kotflügel bedurfte einiger Schweißarbeiten im unteren Bereich, dort, wo sich
im täglichen Betrieb stets Wasser und Dreck sammelt und nicht ablaufen kann-
wie geschaffen für kleine, unangenehme Rostnester.
Festgeschraubt auf einem stabilen Holzbock ließen sich die beiden Schutzbleche
gut bearbeiten und lackieren. Um ein befriedigendes Endergebnis zu erhalten,
wurden die Kotflügel insgesamt mit drei Lackschichten versehen. Zuvor wurden an
die Kotflügel neu angefertigte Lampenhalter angepasst, da seinerzeit
Rückleuchten nicht erhältlich waren. Um diese "neuzeitliche"
Veränderung so unauffällig wie möglich zu gestalten, wählte ich die noch
heute im alten Design gefertigten Hella-Zweikammer-Leuchten, welche ich zudem
noch grau lackierte.
Diese
Bilder sollen nur stellvertretend für die vielen kleinen Teile sein, die
allesamt nach und nach einzeln akribisch gereinigt und aufgearbeitet wurden.
Größere Teile wurden per Spritzpistole lackiert, andere wiederum mit Pinsel
und ruhiger Hand. Zeitweise gestaltete es sich schwierig, in der Werkstatt noch
Platz zum weiterarbeiten zu finden- alles war von frisch lackierten
Fergusonteilen besetzt, die vor sich hintrockneten.
In der Zwischenzeit machte ich mich auf die Suche nach neuen Reifen für die Hinterräder. Der Hersteller der Reifen war mir ziemlich egal, da ich an die Reifen nur wenig Ansprüche stelle. Der Ferguson TEA soll zukünftig hauptsächlich als "Showobjekt" auf Oldtimertreffen dienen und allerhöchstens mal bei schönem Wetter einige Ausfahrten über die heimischen Landstraßen unternehmen. Für diese Zwecke reichen auch die günstigsten Reifen aus- solange sie das schöne, alte "AS-Farmer"-Profil tragen. Diese fanden sich nach einiger Suche zu günstigem Preis im Internet.
Mit zwei Mann und dem passenden Werkzeug wurden die neuen Reifen auf die frisch lackierten Felgen gezogen. Die bei der Montage unvermeidlichen Lackschäden an der Felge hielten sich dabei in Grenzen und konnten im Anschluß schnell und unauffällig mit dem Pinsel ausgebessert werden.
Etwas
aufwendiger war die Restauration der Motorhaube. Die beiden Kühlergrills, die
dem "Fergie" das markante Aussehen geben und die Blechhaube waren in
brauchbarem Zustand. Der Rostbefall hielt sich in Grenzen, und auch die wenigen
Dellen und Beulen konnten verhältnismäßig schnell entfernt werden. Mit dem
Rest sah es anders aus: da die stark zerbeulten und stellenweise eingerissenen
Seitenteile sowie das T-Stück der Front aus Aluminium gefertigt waren, war hier
eine Reparatur zwecklos. Ersatz musste her!
Glücklicherweise werden die oben genannten Blechteile inzwischen als Nachfertigungen angeboten. Warum allerdings die neuen (und zudem noch sehr teuren) Seitenteile nur ungefähr halb so lang wie die Originalen sind, konnte mir bisher noch niemand erklären. Ärgerlich genug ist es jedenfalls, da passende Verlängerungen für beide Seiten jeweils einzeln angefertigt werden müssen.
Passendes Blech wurde besorgt. Die alten Seitenteile waren noch gut genug, um als Muster zu dienen. Von Ihnen wurden sämtliche Maße und Bohrungen abgenommen. Das Blech wurde zugeschnitten und mittels Kantbank in die richtige Form gebracht. Mittels Blechstreifen und gezielten Schweißpunkten wurden die so angefertigten Verlängerungen an die neuen Seitenteile angebracht. Dabei legte ich viel Wert auf die "unsichtbare" Verlängerung der Seitenteile.
Nach
dem Bohren der Befestigungslöcher wurde die komplette Haube, noch
unrestauriert, in der Werkstatt probehalber zusammengesetzt und auf
Passgenauigkeit kontrolliert. Erster Eindruck: ernüchternd. Nichts passte, kaum
ein Loch stimmte mit dem Gegenüber überein. Bei der Montage von neuen und
alten Blechteilen sind solche Probleme nunmal vorprogrammiert... Erst langem
Feilen, Schleifen, Biegen und beherzten Hammerschlägen fügten sich die Teile
zusammen.
Die vom Rost stark geschwächten Lampenhalter für die Motorhaube wurden nicht wieder aufgearbeitet. Anhand der originalen Halter wurden neue gebaut, die erheblich stabiler wurden, optisch aber den originalen exakt gleichen. Einziger Unterschied: passende Halter für die zukünftigen Blinkleuchten wurden unter die Scheinwerferhalterungen geschweißt.
Zum Lackieren wurde die Haube wieder komplett zerlegt und die Einzelteile komplett abgeschliffen, um sie vollständig von Rost zu befreien. Mittels Karosseriespachtel wurden die letzten verbliebenen Dellen der Haube geschlichtet. Nochmals wurde die Haube mit verschiedenen Körnungen geschliffen.
Die Teile der Motorhaube wurden separat mit Rostschutzgrund lackiert. Nach dem Trocknen habe ich die Haube dann komplett montiert und im Ferguson-Grau in zwei Durchgängen schlußlackiert. Das hatte den Vorteil, daß die bei einer Lackierung vor dem Zusammenbau unvermeidlichen Kratzer im frischen Lack vermieden werden.
Nach der Trocknung der nun in "Ferguson-Vintage-Grey" lackierten Einzelteile konnten sie behutsam auf einen mit mehreren Wolldecken ausgelegten Anhänger gelegt werden. Die Werkstatt war nun wieder begehbar und alle Einzelteile konnten ohne Beschädigungen zum Stall transportiert werden, wo die Komplettierung nun in Angriff genommen werden sollte.
Die "Drecksarbeit" war nun endgültig vorbei. Es galt nun, das riesige "Puzzle" so wieder zusammen zu setzen, daß am Ende vor mir ein annähernd neuwertiger Ferguson TEA steht... und hoffentlich keine Teile übrigbleiben!
Genau
rechtzeitig bekam ich Post aus England. Das neue Anlasserritzel war endlich da!
Das nebenstehende Bild zeigt links das neue Ritzel und rechts daneben das
gebrauchte, das 50 Jahre lang treue Dienste leistete. Gut erkennbar sind die
stark
verschlissenen Zähne. Trotz dieses "Karies" arbeitete der
Lucas-Anlasser bis zuletzt vollkommen tadellos. Die Beschaffung eines neuen
Anlasserritzels stellte sich allerdings als sehr schwierig
dar... "die Nadel im Heuhaufen" zu suchen, trifft die Situation sehr
gut. Kein Boschdienst konnte (oder wollte) mir weiterhelfen. Niemand hatte
ein solches Anlasserritzel am Lager, nichteinmal als verstaubtes Altteil. Erst
ein Fachbetrieb für Oldtimerelektrik konnte mir aus dieser Situation helfen.
Ein freundliche Antwort auf meine eMail-Anfrage bestätigte mir, daß dieses
Ritzel noch neu erhältlich ist, allerdings nur in England. Die
Bestellabwicklung lief problemlos, und nach drei langen Wochen lag das ersehnte
Ersatzteil dann im Postkasten.