R27

Auch dieser Hanomag R27, Baujahr 1957, war unter den fünf "Scheunenfund"-Hanomags, die wir im Spätsommer 2004 bergen konnten. Bei diesem Schlepper handelt es sich um die Weiterentwicklung des Hanomag R22. Augenscheinlich sind diese Typen auch sehr ähnlich, fast scheinen sie baugleich. Bei näherer Betrachtung zeigen sich allerdings die Unterschiede: Optisch auffällig ist zunächst die sich zum Kühlergrill hin verjüngende Motorhaube sowie die Gestaltung des Kühlergrills. Hanomags bis zum Baujahr 1952 hatten in der Regel einen Kühlergrill mit einem mittleren, senkrecht verlaufenden, breiten Streifen, der an den Seiten jeweils mit zwei breiten, waagerecht verlaufenden Streifen versehen ist (siehe R22). Hanomag-Traktoren ab Baujahr 1953 waren mit einem Kühlergrill ausgestattet, der keine waagerechten Streben mehr besaß, sondern nur noch drei senkrechte. Auf dem mittleren stand nun jedoch "HANOMAG" geschrieben. 

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Ein weiterer Unterschied zum älteren R22 ist die geänderte Einspritzpumpe. Die Einspritzpumpe des Hanomag R22 besaß noch eine über Unterdruck gesteuerte Drehzahlregulierung, während der R27 schon über eine Drehzahlregulierung per Fliehgewichte verfügt. Auch wurden beim R27 die Brennräume im Zylinderkopf geändert, was für einen weitaus ruhigeren, gleichmäßigeren Motorlauf sorgte.

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Nach wie vor ist in dem Traktor der bewährte, wassergekühlte Dreizylinder-Dieselmotor des Typs "D21" verbaut, hier allerdings in der, wie oben beschrieben, verbesserten und drehzahlgesteigerten (1.900 statt 1.500 U/min) Version. Die Drehzahlsteigerung sorgte für eine Mehrleistung von 5 PS, was in den 1950er Jahren fast einen Klassensprung bedeutete.

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Unser Hanomag R27 ist noch mit dem originalen Mörtl-Mähwerk ausgestattet, das per Hand abgesenkt und ausgehoben wird. Der Schlepper verfügt über keine Hydraulik, dafür aber über eine Riemenscheibe zum Antrieb von Dreschmaschinen und ähnlichen landwirtschaftlichen Geräten. Nach Angaben des Vorbesitzers wurde von den fünf Hanomags auf dem Hof dieser R27 am längsten genutzt, da er als einziger über ein Mähwerk verfügte. Interessant sind ebenfalls die 36-Zoll-großen Hinterräder: Es sind noch die originalen Speichenräder !

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Genau wie die anderen vier Hanomags aus dem Scheunenfund befindet sich der R27, der übrigens mit seinem Baujahr 1957 einer der letzten ist, in unberührtem Originalzustand. Der Hanomag ist absolut komplett mit allen Blechteilen und Typenschildern. Keines der Blechteile hat größere Dellen. Es ist bis jetzt glücklicherweise noch niemand auf die Idee gekommen, dem Schlepper einen neuen Farbanstrich zu verpassen oder aber ein "schickes" Allwetterverdeck zu montieren. Das ist für uns Grund genug, diesen Zustand beizubehalten und den Traktor optisch nicht zu restaurieren. Lediglich wurden seit dem Erwerb die Betriebsflüssigkeiten und Filter gewechselt, die elektrische Anlage überprüft sowie die Treibstange des Mähwerks und der Simmerring der Zapfwelle ersetzt.  

Motor und Getriebe befinden sich ein einem unerwartet gutem Zustand. Ohne lange vorzuglühen startet der Motor und läuft anschließend sofort ruhig und ohne Qualmentwicklung. Das Getriebe macht ebenfalls keine abnormalen Geräusche und lässt sich sauber schalten. Lediglich die Kupplung bedarf bei Gelegenheit einer Erneuerung. Wahrscheinlich war sie aufgrund des langjährigen Mähbetriebs des Schleppers der erhöhten Belastung nicht ganz gewachsen. Das schränkt den Hanomag aber nicht in seinem Fahrspaß ein.  

Apropos Fahrspaß: Fahren Sie doch mal mit...